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Die Preisträger des Marketing-Preis-Kevelaer 2008

Referent:

Nina Ruge

Thema: "Der Weg ist das Ziel - Wie alles gut wurde"

Preisträger:

Gruppenfoto anlässlich der Verleihung des Marketing-Preis-Kevelaer.
"Das Familienfoto" beim Marketing-Preis-Kevelaer mit den Preisträgern, Organisatoren,
dem Bürgermeister und dem Festredner als bleibende Erinnerung.

Laudatio
Möbelbau Hendrix

Handwerk hat einen goldenen Boden. Dies jedenfalls behauptet ein Sprichwort, das wohl auch auf Kevelaer zutrifft. Denn die Geschichte des Marketing-Preis-Kevelaer zeigt eindrucksvoll, dass das Handwerk in unserer Stadt einen eindrucksvollen Bedeutungsüberhang besitzt. 60 Kevelaerer Unternehmer durften wir bislang für ihre besondere Leistung im Interesse der Wirtschafts-, Sozial- und Infrastruktur dieser Stadt auszeichnen. Ein Drittel von ihnen sind Vertreter des heimischen Handwerk, denen es durchaus besser als vielen anderen gelungen ist, sich ein besonderes Profil zu verschaffen.

Bei unserem ersten Preisträger des heutigen Abends handelt es sich um ein Handwerks-unternehmen, dessen maßgefertigte Produkte fast jeder von Ihnen, meine Damen und Herren, schon einmal gesehen hat. Ob bei Mercedes Herbrand, in der Buchhandlung Bercker, bei Optik Plümpe oder im Musikhaus Welbers - überall stehen die Produkte aus der Tischlerei unseres Preisträgers. Ob in den Krankenhäusern in Kevelaer, Goch und Kleve, in der Stadtverwaltung Kevelaer oder in den Schulen hier vor Ort - die Möbelstücke stehen für Qualität und Funktion, für Maßanfertigung und Spezialisierung.

Angefangen hat alles vor 51 Jahren. Damals machte sich Tischlermeister Josef Hendrix selbstständig und mietete an der Hauptstraße in Wetten eine 150 Quadratmeter große Halle. Bereits 1958 stellte er neben einem Gesellen seinen ersten Lehrling ein. Bis heute hat die Ausbildung des Nachwuchses einen besonderen Stellenwert im Hause Möbelbau Hendrix. 50 Auszubildende sind hier bis heute erfolgreich ihre ersten Schritte ins Berufsleben gegangen.

1965 zog die Tischlerei in die größere Halle an der Marienstraße in Wetten um. Zunächst wurden vornehmlich Dachstühle und Fenster für die Wohnhäuser der Region hergestellt. Die Erfindung der Spanplatte in den 60er Jahren führte zu einer Änderung der Produktpalette und damit zu einer Änderung des Unternehmensprofils. Nun waren es vornehmlich Küchen, Schränke und Ladeneinrichtungen, die im Hause Hendrix hergestellt wurden. Der heutige Betrieb am Ossenpass wurde im Jahr 1986 gebaut, und zwar zunächst mit einer Hallenfläche von 600 Quadratmetern. Als 1997 die neue, 450 Quadratmeter große Lagerhalle gebaut wurde, verlagerte das Unternehmen die Haupt-Produktionsstätte von Wetten nach Kevelaer. Nach wie vor besteht in Wetten das Bestattungsunternehmen des Vaters Josef Hendrix.

Beide Söhne des Firmengründers zeigten früh Interesse am Beruf des Vaters. Für Hans Hendrix stand bereits nach der vierten Klasse fest, dass er Tischler werden wollte. Aus diesem Grund wechselte er trotz bester Noten nicht aufs Gymnasium, sondern besuchte die Realschule und trat 1979 seine Lehrstelle in Geldern an. Am Tag vor seiner Gesellenprüfung im Jahr 1981 lernte er bei der Kirmes in Wetten die Schülerin Karin kennen, die er fünf Jahren später nach bestandener Meisterprüfung heiratete. Da Josef Hendrix sich langsam aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückziehen wollte, übernahm sein Sohn Hans 1986 die Leitung des Unternehmens. „Mein Bruder und ich waren uns einig, dass ich die Tischlerei übernehmen sollte", so Hans Hendrix. Die offizielle Übergabe des Unternehmens erfolgte nach dem 40-jährigen Firmenjubiläum am 01. Januar 1998. Sein Bruder Hermann-Josef war bis 2003 im Hause Möbelbau Hendrix tätig. Hermann-Josef Hendrix ist seitdem als selbstständiger Handwerker tätig und es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Brüdern.

Nach und nach veränderte sich die Technik für den Möbelbau. Dank moderner CNC-Maschinen konnte Möbelbau Hendrix das Segment „Maßfertigung" und damit neue Kundengruppen für sich gewinnen. Einrichtungen für Geschäftslokale, Arztpraxen, Krankenhäuser und Mobilheime werden heute ebenso für Kunden der Region entworfen wie Schränke, Schlafzimmer und Bäder. 5.000 Quadratmeter Möbelbauplatten werden Jahr für Jahr in der Tischlerei verarbeitet. Und 30.000 Meter Kantenanleimer sorgen für den optisch richtigen Abschluss der Möbelteile. Das ungewöhnlich große Lager mit 1.000 bis 1.500 beschichteten Möbelbau-Platten macht die Umsetzung auch kurzfristiger Aufträge möglich.

Ein moderner und frischer Marketing-Auftritt auch über die eigenen Internet-Seiten sind für den 45-jährigen Unternehmer unverzichtbare Bestandteile der Unternehmenskommunikation. Hans Hendrix war im Jahr 1996 einer der ersten Unternehmer, die ihre Domain unter „www.kevelaer.de" ansiedelten. Der leistungsfähige Rechner gehört bereits seit 1986 zur eigenen Betriebsausstattung. Das Internet ist heute ein wichtiges Medien zur Kundenakquisition. „Innovation, Weiterentwicklung und Profilierung sind nicht nur in der Werkstatt wichtig, sondern auch im Büro. Anders geht es nicht", so seine Überzeugung. Die Büroarbeit teilt er sich mit seiner Frau Karin, die halbtags im Unternehmen tätig ist.

Noch heute ist Hans Hendrix oft von 7.00 bis 22.00 Uhr im Betrieb. Als seine Kinder noch klein waren, brachte ihm seine Frau Karin manchmal abends das Babyphon in die Tischlerei, wenn sie `mal weg musste. Das Privathaus war zwar 150 Meter entfernt, besaß aber denselben Stromkreis wie die Werkstatt. Sprang das Babyphon an, schwang sich Hans Hendrix auf sein Fahrrad und radelte zum Privat-Einsatz. Später nutzten seine Kinder Christian, Vanessa, Julia und Dominik die ruhigeren Abendstunden in der Tischlerei, um mit ihrem Vater die eigenen Fahrräder zu reparieren oder Martinslaternen zu basteln. Ein fester Bestandteil im Tagesablauf ist das gemeinsame Mittagessen. Als die Kinder zur weiterführenden Schule gingen, verlegte ihr Vater sein Mittagessen auf 13.30 Uhr, um gemeinsam mit seinen Kindern am Tisch sitzen zu können. Den - wie Hans Hendrix es scherzhaft nennt - „erzwungenen Urlaub" verbringt die Familie seit Jahren in ihrem Mobilheim in den Niederlanden. Und Zeit für das gemeinsame Musizieren mit Freunden oder mit der Familie bleibt auch noch ein wenig.

Zeit nimmt sich Hans Hendrix auch für die Tischlerinnung im Kreis Kleve. Vor sechs Jahren wurde er in den Innungsvorstand und den Prüfungsausschuss berufen. Darüber hinaus engagiert er sich im Handwerkerbeirat der AOK Kleve.

Auch in der dritten Generation ist das „Tischler-Gen" zu finden. Der heute 20-jährige Christian ist nach externer Berufsausbildung seit diesem Jahr als Geselle im Betrieb seines Vaters tätig. Aktuell sind mit ihm drei Gesellen und drei Auszubildende - einer pro Ausbildungsjahr - bei Möbelbau Hendrix beschäftigt.

Befragt man den sympathischen Unternehmer nach seinen Wünschen für Zukunft, dann überlegt er nicht lange und antwortet: „Unsere Tischlerei irgendwann an die dritte Generation übergeben zu können."

Sehr geehrter Herr Hendrix,
sehr geehrte Familie Hendrix,

die Juroren des Jahres 2008 sind der Ansicht, dass Sie für Ihre erfolgreiche Profilierung im Handwerk den Marketing-Preis-Kevelaer verdient haben. Herzlichen Glückwunsch.

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Laudatio
Frisurenstudio Terpoorten

Kevelaer ist eine Stadt, meine Damen und Herren, in der sich zahlreiche Unternehmer im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Dienstleistung bewegen. Dies gilt ebenso für Glasmaler, Orgelbauer und Goldschmiede wie für Gastronomen, Bäcker und Fachleute des heimischen Handwerks. Viele Marketing-Preisträger sind in diesem Bereich zuhause. Im täglichen Wettbewerb um den Kunden, der meisterliches Handwerk einerseits und perfekte Dienstleistung andererseits erwartet.

Bei unseren nächsten Preisträgern standen die Liebe zum Beruf und das Streben nach Perfektion, nach ständiger Verbesserung, stets im Zentrum ihres unternehmerischen Wirkens. Diese Liebe zum Beruf umfasst die ganze Familie. Und zwar wortwörtlich die ganze Familie. Denn drei Meister, drei Gesellen und eine Auszubildende des insgesamt 15-köpfigen Teams gehören zum erweiterten Familienkreis. Und der Lehrling 2026 ist auch schon auf der Welt… .„Bei uns sind Hobby und Beruf nicht wirklich trennbar. Wir führen durch das Miteinander in Beruf und Familie ein sehr intensives Familienleben. Da muss es in der Familie schon klappen…", sind sich die Preisträger einig.

Begonnen hat alles vor gut 40 Jahren. Damals lernte der junge Friseurgeselle Karl Terpoorten seine heutige Ehefrau Angelika kennen, die als Friseurgesellin in Kevelaer tätig war. Und als dann der Salon, in dem Angelika arbeitete, aus Altersgründen in neue Hände gehen sollte, stand für die damals beide 20-Jährigen fest: Das machen wir. „Wir haben in unserem gemeinsamen Berufsleben über viele Dinge nicht zu lange nachgedacht. Sonst hätten wir uns wohl nie selbstständig gemacht", so Karl Terpoorten.

Im Januar 1972 übernahmen beide den Friseursalon an der Bahnstraße und entschieden, dass Karl die Meisterprüfung machen sollte. „Wir hatten nur Geld für eine Meisterprüfung. Und da ich im Salon bereits einen festen Kundenstamm hatte, entschieden wir, dass er den Meister machen sollte", erinnert sich Angelika Terpoorten. Das Ersparte wurde komplett in den Umbau des Salons gesteckt. „Am Eröffnungstag waren wir so blank, dass wir das notwendige Wechselgeld von 150 Mark aus unseren Geldbörsen zusammengesammelt haben." Karl Terpoorten wurde Friseurmeister und eröffnete 1972 den Herrensalon. Die Aufgabenteilung im Hause Terpoorten war klar geregelt: Er kümmerte sich um den Herrensalon, den Einkauf und die Buchhaltung. Sie war für den Damensalon, fürs Kreative und für die Ausbildung der Lehrlinge zuständig. Dieses Zusammenspiel legte den Grundstein für den heutigen Unternehmenserfolg.

Insgesamt fünf Mal wurde der Salon in den vergangenen 37 Jahren komplett neu gestaltet. 1975 arbeiteten bereits sieben Friseure im Frisurenstudio Terpoorten, 1981 zählte das Team bereits 15 Mitarbeiter. Etwa 100 Auszubildende hat Angelika Terpoorten in den vergangenen Jahrzehnten betreut. Häufig waren hier zwei junge Leute pro Ausbildungsjahr tätig. Bis zu sechs Mitarbeiter kümmern sich im Salon um die Ausbildung des Nachwuchses. Dies führte dazu, dass 30 Auszubildende als Innungsbeste abschlossen. Viele Auszubildende wurden nach bestandener Prüfung übernommen und gehören seit vielen Jahren zum Terpoorten-Team.

Während Sohn Timo als Kleinkind noch häufig im Geschäft war, wurden Familienleben und Geschäft nach der Geburt von Tochter Nadine getrennt. Die Familie lebte mittlerweile in Winnekendonk und Mutter Angelika teilte ihre Zeit zwischen Familie und Geschäft. Nach wie vor blieb sie die Ansprechpartnerin für die Azubis und bildete sich selbst bei zahllosen Lehrgängen fort.

Denn der Beruf wandelte sich. Neue Trends, neue Techniken galt es zu entdecken, zu erlernen und für das eigene Geschäft in Kevelaer umzusetzen. So bot das Frisurenstudio Terpoorten beispielsweise bereits 1984 eine Farb- und Stilberatung an. Lehrgänge für Schneidetechniken, Färbemethoden und Hochsteckfrisuren sorgten für die Fortentwicklung der Angebotspalette und die eigene Mitarbeiter-Motivation. Das breit gefächerte Angebot bescherte dem Salon auch Kunden aus der weiteren Region. Viele Terpoorten-Kunden reisen gar aus Düsseldorf, Mönchengladbach, Dinslaken, Emmerich oder Wesel in die Marienstadt. Und nicht wenige verbinden den Termin an der Bahnstraße mit einem Bummel durch die Kevelaerer Innenstadt.

Ich werd' Friseur!" Als Sohn Timo erstmals diesen Berufswunsch formulierte, organisierten seine Eltern ein Praktikum im Hause Wella. In diesen fünf Tagen wurde seine Begeisterung für den Beruf gefestigt. „Durch die strenge Lehre bei Wella hat Timo sich richtig durchgebissen", erinnert sich Karl Terpoorten. An jedem Wochenende wurde im elterlichen Salon in Kevelaer geübt. Freunde und Bekannte kamen Sonntag für Sonntag und stellten sich als Modelle zur Verfügung. Auch Schwester Nadine gehörte zu den Übungsmodellen. Und wurde dabei mit dem „Friseur-Virus" infiziert, der zu einer Ausbildung im elterlichen Betrieb führte. „Wir haben zwei Kinder, die mit Liebe zum Beruf den für sie richtigen Beruf ausüben", betonen die Eltern zufrieden.

Timo Terpoorten schloss 1995 seine Ausbildung als Innungsbester ab und wechselte zu Oliver Schmidt nach Düsseldorf, den er als „einer der besten Friseure überhaupt" bezeichnet. Gemeinsam reisten sie an jedem zweiten Wochenende deutschlandweit zu Bühnenauftritten und Foto-Shootings für die Industrie. „Das waren oft 80-Stunden-Wochen", so Timo Terpoorten. „Doch sie weckten meine Leidenschaft für diesen Beruf." 1998 bestand er seine Meisterprüfung und erhielt ein Angebot aus Miami. Zeitgleich fiel sein Vater krankheitsbedingt für längere Zeit im elterlichen Betrieb aus. Timo entschied sich für den Einstieg ins elterliche Unternehmen, das er dann im Jahre 2002 auch übernahm. Seine Ehefrau Tanja lernte er - wie könnte es auch anders sein - im Salon kennen, wo sie als Gesellin arbeitete.

Nadine Terpoorten absolvierte ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb als Prüfungsbeste und ließ sich in Köln zur Visagistin ausbilden. 2003 bestand sie ihren Meister als Landesbeste. Heute ist sie wieder im Familienunternehmen an der Bahnstraße in Kevelaer tätig.

Das Leben für den Beruf schlägt sich bei Familie Terpoorten auch in einem umfangreichen Engagement für die Friseur-Innung des Kreises Kleve nieder. Karl und Angelika Terpoorten waren beide gut 20 Jahre im Fachbeirat. Er war darüber hinaus zehn Jahren im Innungsvorstand und fünf Jahre als stellvertretender Obermeister tätig. Und sie stärkt dem Prüfungsausschuss bereits seit 35 Jahren den Rücken. Auch Tochter Nadine ist mittlerweile im Prüfungsausschuss tätig und unterrichtet an der Berufsschule. Und Sohn Timo engagiert sich bei der Innung als Lehrlingswart.

Befragt man Timo Terpoorten nach der Zukunft seines Unternehmens, so sieht er zwei Schwerpunkte. Zum einen die Handwerkskunst, die von Können kommt. Eine hochwertige Ausbildung für den Nachwuchs und das stete Weiterbilden des gesamten Teams auf Lehrgängen sind für ihn unverzichtbare Bestandteile für die Fortsetzung der eigenen Firmenphilosophie. Und zum anderen die Dienstleistung am Kunden, die von Dienen und Leisten kommt. Die personifizierte Leidenschaft für den Beruf und das Interesse für den einzelnen Kunden, der hier noch König ist. „Bei uns geht es nicht ums Haareschneiden, sondern um Freundschaften." Viele Kunden kommen seit 30 Jahren in den Salon. Dadurch wisse man viel voneinander. Das Terpoorten-Team vom Kunden. Aber auch der Kunde von der Familie Terpoorten. Das schafft eine enge Kundenbindung, die häufig dazu führt, dass ganze Familiengenerationen zum Kundenkreis gehören. „Bei uns findet das richtige Leben statt. Und das macht Spaß", so der junge Firmen-Chef. Gerne kümmert sich Timo Terpoorten um die jüngsten Kunden, denen er ein kindgerechtes Friseur-Erlebnis beschert. Und damit dem Grundstein für eine weitere Generation von Terpoorten-Kunden legt ...

Sehr geehrte Familie Terpoorten,

viele Kevelaerer haben Ihr stetes Streben nach Aus- und Weiterbildung, Ihre konsequente Dienstleistungs-Orientierung und Ihren Erfolg aus nächster Nähe gesehen. So auch die Mitglieder der Jury. Die Juroren sind einhellig der Meinung: Das Frisurenstudio Terpoorten erhält in diesem Jahr den Marketing-Preis-Kevelaer. Herzlichen Glückwunsch.

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Laudatio
MaCafe Carbone Handelsgesellschaft

„Im Handel liegt der Segen." Hier - im Spannungsfeld zwischen Produzenten und Kunden - gibt es sie noch: die Nischen, in denen die Kleinen manchmal die Großen sind. Sie spezialisieren sich und sind absolute Experten in ihrem Segment. Und wenn dann noch das vertriebene Produkt den Siegeszug vom Alltagsgetränk zur stark diversifizierten Trend-Ware antritt, dann ist sie da: die Nische, in der engagierte Profis erfolgreich expandieren können.

Besucht man unseren Preisträger in seinen neuen Räumlichkeiten am Boemsfeld in Kervenheim, so beginnt das Gespräch stets mit der Zubereitung eines Espresso. „Der Beste der Welt", so seine Überzeugung. Denn das ist sein Beruf und seine Berufung: die Welt des Kaffees. Ob Besonderheiten bei der Röstung oder Mischungsverhältnisse der Sorten beim Espresso, ob Herkunftsländer der Kaffeesorten, Merchandising oder Kaffeebar-Konzept: Wenn er über sein Lieblingsthema „Kaffee" spricht, dann ist er nicht zu bremsen. Und diese Leidenschaft hat Angelo Carbone unter Berufskollegen den Beinamen „lebendige Kaffeebohne" beschert.

Man schrieb das Jahr 1995, als der damals 35-jährige Angelo Carbone den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Der dreifache Familienvater hatte als Geschäftsführer einer niederrheinischen Firma einen gut dotierten Job, als er für sich entschied: Ich will meinen eigenen Weg gehen und unabhängig sein. Für den Italiener mit deutschem und italienischem Pass war klar, dass die Welt des Kaffees seine Zukunft sein sollte. Denn seine Kindheit in der Nähe von Neapel, wo die Frauen mit einfachen Mitteln eine Zuckercrema auf dem kleinen, fast schwarzen Espresso erzeugten, hatte Angelo Carbone und seine Liebe zum Kaffee geprägt. Und er vermisste diese Kaffeekultur in Deutschland.

Im Gründerzentrum Geldern begann 1995 die Unternehmensgeschichte unseres Preisträgers. Hier vertrieb Angelo Carbone mit der Carbone Handelsgesellschaft Espressomaschinen. Unterstützt wurde er dabei von seiner ersten Mitarbeiterin Birgit Schmetten, die auch heute noch für das Unternehmen tätig ist.

Angelo Carbone hielt Beruf und Familie stets getrennt. „Meine Frau und unsere Kinder haben - Gott die Dank! - immer viel Geduld mit mir gehabt, wenn es abends mal spät wurde." Heute ist die Trennung nicht mehr ganz so strikt, denn seine jüngste Tochter Gianna absolviert ihre Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Carbone Handelsgesellschaft. Danach, so der stolze Vater, soll sie erst einmal „in die Fremde" Berufserfahrung sammeln.

Im Jahr 1998 erfolgte der Umzug in die eigenen Räumlichkeiten in Winnekendonk. Hier war Platz für das Büro, das Ersatzteillager und ein wenig Einzelhandel. „Der physische Vertrieb erfolgte stets über unser Logistik-Center im ITC in Willich-Schiefbahn", so Carbone.

Der Kaffee ließ den Händler nicht los. Rainer Fuhrmans, ein guter persönlicher Freund, half ihm dabei, mehr Produkte für den Markt zu entwickeln. Einen Markt, der immer offener für Produktinnovationen rund um Kaffee und Espresso wurde. Die erste Maschine unter der neuen Marke MaCafe - macchina del caffè / Kaffeemaschine - wurde realisiert. Es folgte die eigene Espesso-Röstung, die von der ersten Stunde an bei den Kunden sehr gut ankam. „Ich habe diese Sorte gemeinsam mit meinem Freund und Partner Andrea Verri in Italien entwickelt, der eine Kaffeerösterei im Piemont hat und noch kaffee-verrückter ist als ich", blickt Angelo Carbone zurück. Während es sich beim Kaffee um eine oft 90-prozentige Monoröstung handelt, werden für einen Espresso bis zu acht Kaffeesorten gemischt. Acht Sorten aus acht Ländern mit spezifischer Röstungszeit und Röstungstemperatur führten zu einer TOP-Espresso-Sorte.

Angelo Carbone reiste mit seinen MaCafe-Maschinen zu den großen Fach- und Leitmessen wie die Expo in Mailand, die Hostelco in Barcelona, die Hogatec in Düsseldorf oder die Internorga in Hamburg. Das Unternehmen wuchs und erste Überlegungen für weitere Merchandising-Produkte zur Marke „MaCafe" reiften.

Doch dann kam der 6. September 2004. Der Postbote brachte den Brief eines Münchener Patentanwalts in das Büro der Carbone Handelsgesellschaft. Die Anwaltskanzlei vertrat die Interessen des amerikanischen Mc Donald's Konzerns. Die deutsche Marke MaCafe verletze mit der Nutzung der Buchstaben-Reihenfolge M A C das Markenrecht der Amerikaner. Dies sei wettbewerbswidrig. Eine Unterlassungserklärung war dem Schreiben beigefügt. „Ich hatte damals kein Geld für einen Patentanwalt, der 400 Euro pro Stunde kostet", so Angelo Carbone. „Also habe ich selbst ein Antwortschreiben formuliert. Ich stand mit dem Rücken zur Wand. MaCafe war auf einem guten Weg. Und den wollte ich weiter gehen." Alle rieten ihm davon ab, sich mit dem Weltkonzern anzulegen. Doch der Kevelaerer Unternehmer blieb hartnäckig beim Kampf gegen Goliath. Auch als die Münchener Anwälte mit einer Klage drohten. Das Deutsche Patent- und Markenamt in München schlug sich mit einer Stellungnahme auf die Seite des Davids aus Winnekendonk. Als sich kurz vor dem Termin vor dem Bundespatentgericht in München einige Fernseh-Teams für Angelo Carbones Geschichte interessierten, kam der erlösende Anruf aus der gegnerischen Anwaltskanzlei: „Wollen wir uns nicht einigen?" Und Carbone lieferte einige nur geringfügig modifizierte Logo-Vorschläge, denen sie zustimmen könnten. Angelo Carbone entschied sich, in seinem Firmenlogo MaCafe zwischen dem Ma und dem Cafe eine symbolische Espresso-Tasse zu platzieren. Nun war es an der Zeit, selbst einen Patentanwalt zu beauftragen, der 2007 den Einigungsvertrag mit Mc Donald's aus Illinois auf den Weg brachte.

Durch internationale Markenrechte geschützt, wuchs MaCafe weiter. 2005 wurden weitere Maschinen unter dem eigenen Label entwickelt. Zwei weitere Röstungen kamen ebenso hinzu wie Kapsel- und Tabs-Sorten sowie ein umfangreiches Sortiment an Merchandising-Produkten. Darüber hinaus bietet MaCafe auf der Basis selbstständiger Partnerschaften Kaffeebar-Konzepte an - deutschlandweit und international. Die Maschinen werden in Italien, Spanien und Schweden hergestellt, da das „Made in EU" für Kaffeemaschinen ein sehr gutes Image besitzt. Und die Espresso-Röstungen kommen aus Italien. Woher auch sonst ...

65 Prozent der MaCafe-Produkte gehen an Kunden im strategisch wichtigen Markt Deutschland, der Rest geht ins Ausland. Und zwar in den stark wachsenden niederländischen Markt, nach Tunesien, Rumänien und Ägypten. In Hurghada soll ein Büro eröffnet werden für die Betreuung der Lizenzrechte MaCafe Egypt. Immer mehr Handelspartner besuchen die Geschäftsräume des Unternehmens unweit der Autobahn A 57, um sich über das Kaffeebar-Konzept aus der Kevelaerer Ideenschmiede zu informieren.

Angelo Carbones Team besteht aus drei Mitarbeitern, einer Auszubildenden sowie drei Handelsvertretern. „Ich habe sehr hohe Erwartungen und liebe ein hohes Tempo. Das ist für mein Umfeld manchmal problematisch", so der 48-Jährige. Auch seine Hobbys Segeln und Tauchen betreibt er mit Leidenschaft und Hingabe. Aber auch mit Sinn fürs Geschäftliche. So verband er jüngst seinen Tauchurlaub in Sharm El Sheikh mit einem Treffen der ägyptischen Geschäftspartner.

So ist sie, die Welt des Handels. Schnell, kommunikativ, hart aber faszinierend. Zielstrebige Vollblut-Verkäufer schreiben auch heute noch Erfolgsgeschichten. Insbesondere in Nischen, in denen der Kleine dann oft der Große ist.

Sehr geehrter Herr Carbone,

sie tragen mit Ihrer Marke MaCafe den Namen Kevelaers in die ganz Welt. Die Juroren des Jahres 2008 sind der Ansicht, dass Sie für diese Erfolgsgeschichte den Marketing-Preis-Kevelaer verdient haben. Herzlichen Glückwunsch.

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Ansprechpartner

Hans-Josef Bruns
Stabsstelle Kevelaer Marketing
Telefon: (0 28 32) 122-212
Telefax: (0 28 32) 122-989
E-Mail: hans-josef.bruns@stadt-kevelaer.de
Adresse: Peter-Plümpe-Platz 12, 47623 Kevelaer